proTechnicale: „Technik ist keine Frage des Geschlechts, sondern der Neugier“
Mehr junge Frauen für Technik gewinnen – und sie langfristig in der MINT-Welt halten: Das ist das Ziel von proTechnicale. Projektkoordinatorin Wiebke Pomplun hat uns Einblicke in ein mehrfach ausgezeichnetes Bildungsprogramm gewährt, das zeigt: Empowerment, Sichtbarkeit und echte Begegnungen können den Unterschied machen.

Ein Jahr, das Perspektiven verändert
Zehn Monate lang Technik erleben, ausprobieren, begreifen – und dabei die eigene Persönlichkeit stärken: proTechnicale Classic richtet sich an Abiturientinnen mit Interesse an MINT-Fächern, die sich noch nicht sicher sind, wohin die Reise geht. Theorie, Praxis und Persönlichkeitsentwicklung greifen ineinander: von der Arbeit im Flugzeughangar über Windkanaltests bis hin zu Pitch-Trainings. „Es geht nicht nur um Studienorientierung, sondern um Selbstermächtigung“, sagt Wiebke. Ergänzt wird das Programm durch proTechnicale School – digitale Formate für Schülerinnen ab Klasse 10 – und proTechnicale Sachsen, das gezielt niedrigschwellige Angebote in der Fläche schafft. „Wir wollen mehr jungen Frauen ermöglichen, Technik für sich zu entdecken – und sich mit anderen zu vernetzen.“

„Wenn sie das kann, kann ich das auch“
Manchmal fehlen Vorbilder oder auch das Zutrauen – oft sind es diese unsichtbaren Hürden, die junge Frauen von MINT-Berufen abhalten. proTechnicale setzt deshalb auf Empowerment, Mentoring und eine starke Gemeinschaft. Im Zentrum steht ein aktives Alumna-Netzwerk, das Erfahrungen weiterträgt und sichtbar macht, was alles möglich ist. „Unsere Ehemaligen sind das beste Argument für unsere Arbeit“, sagt Wiebke. Die würden Mut machen, sich selbst etwas zuzutrauen: „Wenn sie das kann, kann ich das auch.“
Diversität als Methode, nicht als Etikett
Technikinteresse ist nicht genormt – und kommt in den unterschiedlichsten Biografien daher. proTechnicale arbeitet mit kleinen Gruppen, persönlicher Begleitung und interaktiven Formaten. „Wir verstehen Vielfalt nicht als Ziel, sondern als Ressource“, erklärt Wiebke. Unterschiedliche Perspektiven führen zu neuen Zugängen – und stärken die Gruppe.

Mut beginnt mit einem Versuch
Die eindrücklichsten Geschichten? Die erzählen vom Wachsen: von der Teilnehmerin, die sich kaum traute zu sprechen und später vor Fachpublikum auf Englisch referierte. Oder von der jungen Frau, die nach einer Lehre zur Immobilienkauffrau schließlich in ein duales Studium der Luft- und Raumfahrttechnik startete.
Was rät Wiebke Pomplun jungen Frauen, die sich für Technik interessieren? „Probiert es aus. Ihr müsst nicht perfekt sein. Neugier reicht. Ihr seid nicht allein.“
