Logo der DIGITAL PLAY DAYS
Interviews | Welt der Bildung

DIGI PLAY DAYS – „Österreichs größtes Event für digitales Spielen und Lernen“

Wie kann Schulunterricht spannender werden? Was begeistert Kinder und Jugendliche beim Lernen? Wie funktioniert digitale Bildung? Bei den DIGI PLAY DAYS der österreichischen Julius Raab Stiftung am 8. April 2021 finden Lehrende, Eltern und Kinder Antworten auf solche Fragen – dieses Jahr zum ersten Mal digital. Die Veranstaltung ist kostenlos und ausdrücklich auch für Menschen offen, die nicht in Österreich wohnen. Wir haben mit Sebastian Swoboda gesprochen, der als Policy Advisor bei der Julius Raab Stiftung arbeitet. Er erklärt, was hinter den DIGI PLAY DAYS steckt, wie die Stiftung sonst im Bildungsbereich aktiv ist und wo er die größten Herausforderungen in der Bildung sieht.

Hallo, Sebastian! Was erwartet die Teilnehmenden der DIGI PLAY DAYS?

Bei den DIGI PLAY DAYS kann man in interaktiver Weise ganz besonders für die Zeit des Homeschoolings viele Möglichkeiten des digitalen Lernens kennenlernen. Österreichs größtes Event für digitales Spielen und Lernen findet in diesem Jahr erstmals voll digital statt: Am 8. April 2021 haben Pädagoginnen und Pädagogen, Eltern und Interessierte von 14:00-19:00 die Möglichkeit, an verschiedenen digitalen Workshops von Edutech-Anbietern teilzunehmen, um Tools und konkrete Anwendungsmöglichkeiten sowie das Potenzial von Game-Based Learning für den Unterrichtsalltag zu entdecken. Zusätzlich wird es eine Keynote von Games-Forscherin Johanna Pirker geben und bei einer digitalen Expo kann man sich mit zahlreichen Ausstellern vernetzen und die digitalen Spiel- und Lernangebote näher kennenlernen.

Welches Angebot der DIGI PLAY DAYS findest du persönlich besonders spannend?

Die Workshops der DIGI PLAY DAYS sind für mich das Herzstück des Events – sie ermöglichen einen interaktiven Zugang zu neuen Unterrichtsformen, die man danach auch gleich einsetzen kann: Vom Design Thinking Prozess in der Entrepreneurship App über die Windräder-Challenge und Umweltingenieursdasein bis hin zum Programmieren und Bauen von Robotern. Man nimmt dabei also etwas Konkretes mit „nach Hause“ und bekommt dadurch womöglich auch eine andere Perspektive auf das Thema „Digitales Spielen und Lernen“.

Sebastian Swoboda, Policy Advisor bei der Julius Raab Stiftung
Sebastian Swoboda, Policy Advisor bei der Julius Raab Stiftung (Copyright: Tim Walker)

Für wen lohnt sich die Teilnahme?

Die Teilnahme lohnt sich für alle am Bildungsbereich Interessierte, ganz besonders aber Eltern und Lehrerinnen und Lehrer, da man eben Tools, Tipps & Tricks and Anwendungsmöglichkeiten mit auf den Weg bekommt, die man mit seinen Kindern konkret ausprobieren kann – digitale Bildung wird dabei greifbar und leichter umsetzbar. 

Können auch Menschen aus Deutschland mitmachen?

Natürlich! Einer der Vorteile der digitalen Events ist die Teilnahme leicht zugänglich zu machen und über seine Region hinaus auszudehnen, deswegen wünschen wir uns auch viele neue Teilnehmerinnen und Teilnehmer, auch außerhalb Österreichs.

Welchen Stellenwert hat das Thema Bildung für euch als Stiftung?

Einer unserer fünf Stiftungswerte ist die Chancengerechtigkeit, zu deren Erreichung Bildung ein wesentlicher Schlüssel ist. Daher beschäftigen wir uns als Stiftung neben der Förderung des Unternehmertums und des Mittelstands sowie der Weiterentwicklung der ökosozialen Marktwirtschaft auch mit bildungspolitischen Themen, wie zum Beispiel auch mit der Stärkung der Wirtschafts- und Finanzkompetenz in Schulen. Da wir uns nicht nur als Think- sondern auch als Do-Tank verstehen, versuchen wir mit den DIGI PLAY DAYS auch praxisnahe Unterstützung zu leisten.

Gibt es noch ein anderes Projekt neben den DIGI PLAY DAYS, das dir besonders am Herzen liegt?

Auf jeden Fall – als Stiftung haben wir kurz vor Weihnachten das Projekt #NAVIGATEUR präsentiert: Dabei handelt es sich um eine Netzwerkanalyse, die wichtige Ideen- und Impulsgeber aufzeigt. Sinn dahinter ist, dass wir gerade jetzt, in Zeiten großer Unsicherheit, ausgelöst durch die Pandemie, aufzeigen möchten, welche Organisationen wesentliche Ideen einbringen. In 55 Experteninterviews haben wir dabei auch analysiert, was es für die Lernfähigkeit des politischen Systems und unkonventionelle Kooperationen in diesen und anderen Zeiten braucht! Falls Interesse am Projekt besteht, findet man alles Wesentliche dazu auf http://www.navigateur.eu.

Wie beeinflusst Corona eure Stiftungsarbeit insgesamt und vor allem in Bezug auf eure Bildungsprojekte?

Als Think und Do Tank haben wir das Glück, viele unserer Tätigkeiten verändert aber doch weiterführen zu können. Research geht von zu Hause, Veranstaltungen können seit einiger Zeit natürlich nur mehr digital stattfinden aber immerhin. Unsere DIGI PLAY DAYS fanden zum Beispiel bisher immer als Österreichs größte Messe für digitales Spielen und Lernen physisch mit vielen Kindern am Erste Campus der Erste Bank und Sparkasse statt – diesmal sind sie zur Gänze digital. Gerade im Bildungsbereich merken wir, dass Lehrerinnen und Lehrer, aber auch Eltern immens unter Druck stehen und daher haben wir den Fokus in den DIGI PLAY DAYS 2021 auch stark auf diesen Bereich gelenkt und können damit vielleicht doch einen kleinen Beitrag an Unterstützung leisten. Großer Dank gilt unserem Sponsor der Erste Bank und Sparkasse, die uns auch in diesem schwierigen Jahr unterstützen und damit die DIGI PLAY DAYS erst ermöglichen.

Welche Herausforderungen siehst du im Bildungsbereich?

Die Herausforderungen sind vielfältig – konkret haben wir uns als Stiftung das Thema der Wirtschafts- und Finanzkompetenz in Österreich im vergangenen Jahr genauer angesehen und dazu ein Policy Paper veröffentlicht. Im Policy Paper gehen wir auf Themen ein, die über Financial Literacy hinausgehen. In den drei Handlungsfeldern „Lehrende praxisorientiert für Wirtschafts- und Finanzkompetenz begeistern“, „Zeit und Ressourcen für Erfahrungswissen schaffen“ und „Wirtschafts- und „Finanzkompetenz zum Angreifen“ haben wir jeweils drei konkrete Verbesserungsvorschläge gemacht: Von der Öffnung des Systems Schule in Richtung Wirtschaft und umgekehrt, die verbesserte Wirtschaftsbildung in der Lehrendenausbildung für das Fach Geographie und Wirtschaftskunde, über eine modernisierte Schulorganisation, die fit für projektorientierten und fächerübergreifenden Unterricht ist, bis hin zu einem interdisziplinären Projekt zwischen Geographie und Wirtschaftskunde und Werken. Nun setzen wir uns stark dafür ein, dass letztere Idee als Pilotversuch in einzelnen Schulen praxiserprobt wird. Aus unserer Sicht ist es jedenfalls notwendig auch in kleinen Schritten Veränderung zu bewirken und Herausforderungen dafür gibt es genug. Das Policy Paper findet man auch auf unserer Homepage.

Was braucht es aus deiner Sicht, um Bildung besser zu machen?

Man muss den verschiedenen Punkten ansetzen, um damit in unterschiedlichen Bereichen eine positive Veränderung bewirken zu können. Bei der Initiative „Neustart Schule“, die wir unterstützen, sind es folgende 7 Ziele:

  1. Bildung als zentrales Anliegen Österreichs zu etablieren
  2. Die Elementarbildung als Fundament für die Schule aufwerten
  3. Gerechte Chancen: Begabungsorientierten Unterricht ermöglichen
  4. Zeitgemäße Inhalte und Kompetenzen in einem modernen Unterricht stärken
  5. Mehr Autonomie und Verantwortung für Schulen schaffen
  6. Aufwertung von PädagogInnen in Form von (Aus-)bildung und Image fördern
  7. „Bildungspflicht“ mit fixierten Bildungszielen einführen

Was macht dir Mut, dass wir in eine positive Bildungszukunft blicken könnten?

Die Dinge sind derzeit so „im Fluss“ wie lange nicht mehr – es gab durch die COVID-Pandemie einen exogenen Schock, der die Welt nachhaltig verändert hat. Es zeigen sich viele Konsequenzen aus der Pandemie, die man über die Gesundheitskrise hinaus unmittelbar nicht so klar erkennen konnte. Das Bildungssystem ist durch Lockdowns ganz stark in den Mittelpunkt gerückt, digitaler Unterricht war vor einem Jahr noch eher die Ausnahme, mittlerweile ist es schon State of the Art. Die Pandemie macht einem Mut, dass kaum denkbare Veränderungsmöglichkeiten im Leben schneller Realität werden kann, als man glaubt – positiv wie negativ – konzentrieren wir uns jetzt auf die positiven, am besten im Bildungsbereich! 

Alle Bildungsinteressierte, Eltern und Lehrerinnen und Lehrer sind herzlich eingeladen, bei den DIGI PLAY DAYS dabei zu sein:

https://hopin.com/events/digi-play-days

ähnliche Beiträge